Claus Tröger


Waisen | von Dennis Kelly


| LANDESTHEATER NIEDERBAYERN (DE) – Saison 2015/16
| Aufführungen: STADTTHEATER LANDSHUT / OPER PASSAU / STADTTHEATER STRAUBING
| Premiere: 12. März 2016

| Regie, Bühne, Ausstattung: Claus Tröger
| Darsteller: Ines Schmiedt, Andreas Schneide, Roland Schreglmann



Eigentlich sollte es ein schöner Abend mit einem romantischen Candle-Light-Dinner für Helen und ihren Freund Danny werden. Doch dann steht auf einmal Helens Bruder Liam blutüberströmt in der Tür. Er gibt vor, einem verletzten Jungen auf der Straße geholfen zu haben. Doch bei Helens genaueren Nachfragen verstrickt sich Liam in Widersprüche.

Danny will die Polizei rufen, doch Helen kann ihn davon abhalten. Sie will Liam, der bereits vorbestraft ist, schützen, denn schließlich fühlt sie sich nach dem Tod ihrer Eltern für ihren jüngeren Bruder besonders verantwortlich.

Die beiden Waisen halten zusammen, auch dann, als Liam beginnt, die Wahrheit zu erzählen...


Der 1968 geborene britische Dramatiker Dennis Kelly verließ bereits mit 16 Jahren die Schule, arbeitete in Supermärkten und fand durch eine theaterbegeisterte Jugendgruppe den Weg zur Bühne. Dann studierte er Drama und Theater am Londoner 'Goldsmiths College'. Sein erstes Stück „Schutt” schrieb er erst mit über 30 Jahren. „Waisen”, 2009 beim 'Edinburgh Festival' ur­aufge­führt, wurde mit mehreren Preisen aus­ge­zeich­net. Im gleichen Jahr wurde Kelly auch von der Zeit­schrift 'Theater heute' zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt.


„Waisen” thematisiert eine brüchige Familiensituation nach innen und die Abgrenzung zum Fremden nach außen. Heraus kommt ein Psychothriller, in dem Mi­gran­ten zur Zielscheibe bürgerlichen Hasses werden. Allerdings wird die heraufbeschworene Gewalt zu­rück­ge­worfen und trifft eigene private Strukturen.

PRESSE

Landshut Aktuell (Michaela Schabel):

« (...) wird dieses Stück unter der subtilen Regie von Claus Tröger zum Psychothriller, der die Zuschauer 100 Minuten voll in seinen Bann zieht (...) Extrem reduziert bringt Claus Tröger diese schauspielerische Kraft bestens zur Wirkung, fokussiert weniger auf Ehequerelen und Waisen­problematik als auf das Schwanken der sozialen Werte in unserer Gesellschaft. Er lässt Konflikte eskalieren. In körperlicher Nähe symbolisiert er subtil die geistige Annäherung. In Zwei­er­grup­pierungen, der Dritte abseits im Hintergrund werden Allianzen und Isolation spürbar. Neben­einander sitzend wie vor Gericht, rutscht das Publikum in die Rolle der höheren Gerechtigkeit sich ein Urteil zu bilden. Wie würde man selbst in einer derartigen Situation handeln? Das ist eine Inszenierung, die unter die Haut geht! »


Landshuter Zeitung (Katrin Filler):

« (...) Das Kammerspiel hat Claus Tröger in seinem Bühnenbild nur ein, zwei Meter vom Publikum entfernt, schön dicht inszeniert. (...) Man gerät ins Nachdenken – ohne erhobenen Zeigefinger. Auch das zeigt diese großartige Produktion: Theater ist wichtig, weil es zur Reflexion einlädt. Ein großer Theaterabend! »


Straubinger Tagblatt (Bernd Hielscher):

« (...) Als die Scheinwerfer im Stadttheater ausgeschaltet werden, verharrt das Publikum in Schockstarre, muss erst einmal tief durchatmen, bevor es erleichtert, wie aus einem Alptraum erwachend, lang anhaltend Beifall spendet. Den haben sich alle drei Akteure durch unter die Haut gehende Spielkunst verdient. Nicht zu vergessen Regisseur Claus Tröger, der mit viel Mut zur Aktualität dieses hochprozentige, die geistige Verdauung fördernde Destillat gebrannt hat. »


Passauer Neue Presse (Raimund Meisenberger):

« (...) mit dieser Produktion übertrifft sich das Landestheater selbst (...) Zum Niederknien, diese Leistung. Die Produktion „Waisen” des britischen Autors Dennis Kelly gehört zum Intensivsten was in den letzten Jahren am Landestheater Niederbayern zu sehen war. Der gewaltige Applaus und jedes einzelne Bravo war verdient (...) Claus Tröger hat ein organisches, perfekt getimtes, sich ständig veränderndes Dreieck gebaut, in dem das ganze Leben Platz hat: Wut, ohne das ständig geschrien werden muss. Trotz aller Drastik viel Humor in Textdetails. Vor allem: Nie hat man das Gefühl, ein 'Rassismus-Drama' oder dergleichen zu sehen. Es geht um Gewalt, ja, und eigentlich geht es um Familie, um Bindung, um Macht, um Neid, um Verantwortung für die Welt da draußen, und um die Frage: Reicht meine Nächstenliebe auch noch für den Übernächsten? »






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