Claus Tröger


Stallerhof | von Franz Xaver Kroetz


| STADTTHEATER BRUNECK (Südtirol) – Saison 2012/13
| Premiere: 15. Oktober 2012
| Gastspiele in Salzburg (22.–24.02.2013) und Bonn (DE, 26.10.2013)

| Regie: Claus Tröger, Ausstattung: Klaus Gasperi
| Darsteller: Jasmin Barbara Mairhofer, Cornelia Brugger, Kurt Kern, Oliver Pezzi



Die geistig zurück­gebliebene Bauern­tochter Beppi leidet Zeit ihres Lebens unter der Kälte und Hart­herzig­keit ihrer Eltern. Deren Maß­re­gelun­gen und gegen­seitige Schuld­zu­wei­sun­gen verun­sichern das Mädchen zu­se­hends und treiben es immer tiefer in die Ein­sam­keit.

Nur der alte, einsame Sepp, Knecht auf dem Stallerhof, nimmt sich ihrer an. Es entspinnt sich eine sonderbare Liebesgeschichte. Als die Liaison der beiden entdeckt wird, ist das 14jährige Mädchen bereits schwanger. Die Eltern reagieren empört und verjagen den Stallknecht. Nur die geplante Abtreibung bringen sie nicht übers Herz.

Nach der Geburt ihres Sohnes flieht Beppi vor den nicht enden wollenden Repressionen ihrer Eltern und zieht gemeinsam mit mir ihrem Kind zu Sepp in die Stadt. Aber das kleine Familienglück zu dritt währt nur kurz: Während die verbitterten Eltern aus der Distanz weiterhin Einfluss auf ihre Tochter aus­zu­üben versuchen, wird Sepp schwer krank und stirbt.

Als Beppi daraufhin das Sorgerecht für ihr
geliebtes Kind entzogen wird, beschließt sie
ein „neues“ Leben...

PRESSE

Zeitung Dolomiten (Bozen) – zur Premiere:

« (...) Jasmin B. Mairhofer ist beeindruckend. Spröde und hart sind Cornelia Brugger und Kurt Kern als Eltern; Oliver Pezzi trägt den alten Knecht mit schallendem Lachen hin zur tragischen Figur und Claus Tröger führt Text und Spieler mit feinem Bildergespür und präzisen Motiven ins großartige Theater. »

    ...und anlässlich der Wiederaufnahme (10/2013):

« (...) Claus Tröger hat eine Aufführung auf die Bühne gebracht, in der alles so geschieht, wie es geschehen muss. Er lässt seine Figuren gleichsam in deren Schicksale springen. Alles andere als Natu­ra­lismus, sondern expres­sio­nistisch anmutende Chiffren von Seelenzuständen.

(...) Claus Tröger betreibt in seiner Regie eine soziale Rekon­struktion und bedient sich dabei ausge­zeich­ne­ter Schau­spieler. Eine krude, aber auch zart-traurige und rührende Geschichte von Einsamkeit und Liebe (...) »


DrehPunktKultur:

« (...) „Ein böses Märchen vom Land“ hat Franz Xaver Kroetz als Untertitel geschrieben. Regisseur Claus Tröger lässt es als eben solches auf der Simul­tan­bühne spielen: Heuballen, ein paar Sessel, ein Kruzi­fix, das so hoch aufragt, dass nur die Beine des Gekreuzigten Platz haben (Bühne: Klaus Gasperi und Katrin Böge Mair). Angezogen sind alle, als ob das wirklich in märchenhaft-bäuerlicher Zeit spielte.

Aber vielleicht ist gerade dies das Rezept, um das Publikum mit der Nase drauf zu stoßen, dass die Thematik eben keine von gestern, sondern eine zeitlos gültige ist. Soll man das Mädchen ausgrenzen, ihr sexuelle Gefühle und gar Mutterglück versagen, nur weil sie Spastikerin ist? In Zeiten, da Gen-Untersuchungen Behinderung zum „Unglücks­fall“ degra­dieren, ist durchaus der eine oder andere Seiten­gedanke nötig.

Claus Tröger hat als Regisseur die Emotionen bestens im Griff. Da läuft vieles mit Andeutungen und einem gewissen Understatement, sogar, wenn der Säugling in seinem Kinderwagen mit der Windel erstickt wird. Cornelia Brugger, Jasmin B. Mairhofer, Kurt Kern und Oliver Pezzi schaffen es, sich in den durch und durch klischeehaft entworfenen Figuren gerade so weit zurück zu nehmen, dass der Zuschauer nicht hineingezogen wird in bäuerliche Kitsch-Bilder. Es bleibt genügend Freiraum bleibt für eigene Gedanken.

„Wenn's Kind da ist, schau ich ob's was word'n ist“, sagt der Knecht und Vater des Bankert. Und über Abtreibung wird intensiv nachgedacht: „...dass der Dreck rausgeht, wo er reingekommen ist.“ Franz Xaver Kroetz war nie ein Meister der feinen Klinge. Ob sein Stück heutzutage noch einigermaßen brauchbar ist, oder ob es nur dieses eine Mal gerettet wird von einer bemerkenswert guten Aufführung, das ist die Frage. »


Dorfzeitung Salzburg:

« (...) Claus Tröger hat das Bauerndrama realistisch und schonungslos, aber niemals peinlich in Szene gesetzt. Das starke Stück über ländliche Grau­sam­kei­ten und Kindesmissbrauch macht zutiefst betroffen. »







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