Claus Tröger


Merlin oder Das wüste Land | von Tankred Dorst


  Eine Theaterprozession in 38 Stationen

| STADTTHEATER BRUNECK (Südtirol/IT) – Saison 2005/06
| Spielort: Der Brunecker Schlossberg sowie die Burg
| Premiere: 30. Juni 2006

| Regie: Claus Tröger, Ausstattung: Klaus Gasperi, Lichtdesign: Jan Gasperi, Kostüme: Monika Heredi
| Darsteller: Josef Maria Lanz, Marion Feichter, Irmgard Maria Sohm, Oliver Pezzi, Nico Tschopp, Eva Kuen,
  Thomas Lackner, Brigitte Knapp, Stefan Marcello, Biggi Notdurfter, Ingeborg Frena, Stefan Ghedina,
  Agi Öttl, Sarah Jovino, Peter Niederegger, Paul Beikircher, Simon Kostner, Matthias Messmer


Merlin, der Sohn des Teufels und der dicken Hanne, Zauberer, Verwandler, Wissender und Utopist, nimmt sich des sagenhaften König Artus an, um unter seiner Herrschaft eine menschenwürdige Gesell­schafts­ord­nung zu etablieren. Der runde Tisch der Artusritter, an dem selbst der König nur als Gleicher unter Gleichen seinen Platz findet, gerät zu ihrem – von vielen von Anfang an belächelten – Symbol. Und Merlin hat viel, allzuviel zu tun in seiner heutig-mittelalterlichen Welt, in der er immerfort mit öffentlich-politischer und zwischenmenschlicher Schadensbegrenzung beschäftigt ist.

Denn rundum droht ständig alles aus den Fugen zu geraten: Ob es nun das offene Geheimnis von Sir Lancelots unglücklichem Verhältnis zu Ginevra, der Frau König Artus' ist; die Unschlüssigkeit und das Zaudern von Artus selbst; die Torheit und naive Un­be­küm­mertheit des die Welt entdeckenden Parzival; die Blasiertheit des gralsuchenden Sir Galahad; jene un­er­müdlichen Unruhestifter innerhalb der Artusrunde, die beständig am Aufheizen aller nur möglichen Kon­flikte interessiert sind; oder schließlich die aufreizende Waldnymphe Viviane, der selbst Merlin verfällt...

« – Ich will nicht mehr! », wird Merlin rufen, « Ich will mit der verdammten Weltgeschichte nichts mehr zu tun haben! »


Tankred Dorst (geb. 1925) führt uns mit viel Witz und pointierter Tiefgründigkeit den Aufstieg und das Schei­tern einer großen Idee vor, indem er den Zau­be­rer Merlin in den extremen Versuch einer idea­lis­ti­schen Weltbewältigung schickt, die aber an der völ­li­gen Unzulänglichkeit aller Beteiligten scheitern muss.

Der Untergang der Artuswelt als der
der unsrigen, heutigen?


Mit „Merlin“ greift Dorst vor allem auf Thomas Malorys großes Kompendium „König Artus“ (gedruckt 1485) sowie auf Wolfram von Eschenbachs „Parzival“-Epos (Anfang 13. Jhdt.) zurück, aktualisiert die wahrlich ungeheure Vielfalt des Stoffes, ohne sie deshalb jedoch platt ins 20. Jahrhundert zu verlegen, belässt sie vielmehr in einem fiktiven Irgendwo.

Als das Stück 1981 in Düsseldorf uraufgeführt wurde, traf es genau den Nerv der politischen und geistigen Großwetterlage im deutschsprachigen Raum: 'Besuchen Sie Europa, solange es noch steht' – diesen fa­talistischen Ausspruch ließ der Auf­rüs­tungs­wahn­sinn der Reagan-Ära zum Motto der 1980er Jahre wer­den. 32 Jahre nach seinem Entstehen hat „Merlin“ immer noch nichts von seiner poetisch-ironischen Aktualität verloren.

PRESSE

Pustertaler Zeitung:

« (...) Der Regisseur und das Stadttheater Bruneck haben mit der Inszenierung eines an sich 'unmöglichen' Stückes Großartiges geleistet. Regisseur Claus Tröger hat sehr viel Fantasie investiert, um dieses Stück, das sich am besten mit den Mitteln des mittelalterlichen Mys­te­rien­spiels in Szene setzen lässt, die Waage zwischen Naturalismus, reiner Burleske, Slapstick und Erzählerischem zu halten. Gratulation! (...) »


Dolomiten Zeitung Bozen:

« (...) Claus Tröger hat jedoch nicht vergessen, dass Verzauberung und Magie zwingend zum „Merlin“ gehören. Es gelingt ihm, beides zu zeigen: Blendwerk und Verzauberung, Staffage und wirkliche Leidenschaften, Ausgelassenes und Tragisches. (...) »


ff-Südtiroler Wochenmagazin:

« (...) Ein Sommertheater der besonderen Art ist die Inszenierung von Tankred Dorsts „Merlin“. (...) Eine fesselnde Inszernierung! »





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