Claus Tröger


Im weissen Rössl | von Ralph Benatzky, Hans Müller-Einigen, Erik Charell, Robert Gilbert


  Singspiel in drei Akten; frei nach dem Lustspiel „IM WEISSEN RÖSSL“ (O. Blumenthal & G. Kadelburg)

| STADTTHEATER BRUNECK (Südtirol/IT) – Saison 2011/2012
| Premiere: 25. November 2011

| Regie: Claus Tröger, Musikalische Leitung: Maria E. Brunner
| Ausstattung: Klaus Gasperi, Kostüme: Katrin Böge-Mair
| Darsteller: Alexander Messner, Cornelia Brugger, Matthias Messner, Maria E. Brunner, Horst Herrmann,
  Tobias Bernhardt, Ricarda Amberg, Oliver Pezzi, Stefan Ghedina, Stefanie Lercher, Klaus Gasperi




PRESSE

Die Neue Südtiroler Tageszeitung
(Markus Hellweger, 01.12.2011):

« Mit allem Drum und Dran – Das Stadttheater Bruneck zeigt die Operette „Im Weißen Rössl“ von Ralph Benatzky und schöpft dabei aus dem Vollen: Hat man die vor Schmalz triefende 1950er-Verfilmungen des „Weißen Rössl“ vor Augen, so stellt man sich die berechtigte Frage: Warum soll ich mir das antun? Nun, eine solche Operette im Stadttheater Bruneck, da kann Ironie nicht weit sein, und abgesehen davon: Sie macht tatsächlich Spaß.

Das Original aus den 1980er-Jahren war auch 'frecher, greller und jazziger' (Programmheft), woran sich die Inszenierung unter der Regie vn Claus Tröger anlehnt. Und fährt mit dem Besten auf, was das Stadttheater zu bieten hat: Ein gut gelauntes Ensemble, gelungene Pointen, schrille Kostüme, stimmige Kulisse und freilich viel Musik.

Das Hotel zum Weißen Rössl am Wolfgangsee ist nicht nur Anziehungspunkt für die in Massen abgefertigten Tagestouristen, auch betuchte Großstädter aus Berlin finden ins Salzkammergut, um sich an See und Berg zu laben. Vor allem aber bewegen sich die Herzen auf nicht nachzuvollziehenden Bahnen, womit der Trubel vorprogrammiert ist.

Oberkellner Leopold will seiner Chefin, der oft recht bockigen Rössl-Wirtin Josepha, endlich seine Liebe gestehen. Diese freut sich auf den langjährigen Stammgast, den galanten Rechtsanwalt Siedler, mit dem sie sich auch eine private Liaison vorstellen könnte. Der wiederum hat sich in die hübsche Ottilie verguckt, Tochter des grantelnden Fabrikanten Giesecke.

Siedler führt zufällig einen Prozess gegen Giesecke und lässt den Sohn des Klägers, den schönen Sigismund, einen selbst ernannten Don Juan, anreisen – in der Hoffnung, mit der Lösung des Konflikts Ottilie näher zu kommen.

Derweil glaubt auch Giesecke durch Kuppelei etwas zu erreichen, und Sigismund fährt ausgerechnet auf das schüchterne Klärchen ab, die Tochter des Professors Hinzelmann.

Alexander Messner ist mit der humorvollen Hauptrolle des Leopold gut besetzt; dies demonstriert er auch gekonnt im Duett mit Stefan Ghedina. Auf Cornelia Brugger ist die Rolle der Rössl-Wirtin wie zugeschnitten. Aber so richtig zum Beben bringt die Bühne Horst Herrmann als personifiziertes Piefke-Klischee mit einer aus dem Ruder geratenen Berliner Schnauze. Die Gunst der Zuschauer erspielt sich auch Tobias Bernhardt als verschmitzt-sympathischer Narzisst. Und man stelle sich vor: Hausherr Klaus Gasperi ist Kaiser Franz Joseph II! Schade jedoch, dass manches Talent, etwa Stefanie Lercher, in dem enormen Schauspieleraufgebot wenig zum Zuge kommt.

Der Rest ist ein bunt-passendes Bühnenbild, detailverliebte Kostüme und allseits bekannte Ohrwürmer, begleitet von Live-Musik; sogar die Schuhplattlerinnen von „Woldspotzn“ dürfen noch loslegen. Es geht nicht anders als heiter, was auch ansteckend wirkt (viel Szenenapplaus). Der eine und andere Seitenhieb auf den touristischen Ausverkauf sitzt auch. Nur das Ende ist gar zu zuckersüß. »


Zeitung Dolomiten (29.11.2011):

« Ohrwürmer und ein herzzerreißender Dackelblick – Eine Operette als Beispiel für effizienten Umgang mit räumlichen Gegebenheiten: (...) Regisseur Claus Tröger siedelt das Stück in einem zeitlich kaum zu verortenden Postkartenidyll an und versucht gar nicht erst, Figuren und Handlungen psychologisch auszugestalten. Vielmehr nimmt er die Konstellationen und Konflikte der Vorlage als das, was sie sind: als Vorspiel zu schmissigen Ohrwürmern und schön choreografierten Tanzeinlagen. Überhaupt beweisen Tröger und sein Ensemble Gefühl für Timing. Auftritte und Gags sitzen meist passgenau, die Schauspieler interagieren mit geradezu traumwandlerischer Präzision. (...)

Wer das Stadttheater Bruneck kennt, weiß, dass sich weitläufige Tableaus dort kaum umsetzen lassen. So ist es aller Ehren wert, dass es Tröger und Bühnenbildner Klaus Gasperi gelingt, ganze 'Massenchoreografien' – mit zehn oder mehr Personen – in Szene zu setzen, ohne dass der Zuschauer, ob der klaustrophobischen Stimmung, nach Luft schnappt – ein Meisterwerkt an effizienter Raumnutzung. (...)

Natürlich ist „Im Weißen Rössl“ schrill, bunt, bisweilen sogar trashig – vielleicht könnte man sogar von 'camp' sprechen. Natürlich werden bildungsbeflissene Schöngeister das Näschen rümpfen. Aber – mal ehrlich – wen interessiert's? Spaß macht's trotzdem. »






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