Claus Tröger

Szenenfoto: Die Wand

Die Wand | von Marlen Haushofer


| SALZBURGER LANDESTHEATER – Saison 2015/16
| Premiere: 24. September 2015

| Regie: Claus Tröger, Ausstattung: Eva Musil
| Mit: Britta Bayer


Szenenfoto: Die Wand
Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Szenenfoto: Die Wand Am Morgen ist sie plötzlich da. Unsichtbar und undurchdringlich. Eine Wand, die das einsame Jagdhaus in weitem Radius hermetisch abschirmt.

Die Frau, die davon erzählt und ihre Geschichte in kleinen Buchstaben auf das wenige verbliebene Papier niederschreibt, war an einem schönen Frühlingstag mit Freunden zu deren Ferienhaus in den oberösterreichischen Bergen gefahren. Nach der Ankunft verabschiedete sich das Paar zu einem Spaziergang ins Dorf und kam nicht mehr zurück. Seitdem ist die namenlose Protagonistin allein. Mutterseelenallein, eingesperrt in der wilden Natur und abgeschirmt von einer Welt, in der nach einem nicht näher definiertem Vorfall alles menschliche Leben erstarrt ist.

Anfangs versucht sie, die Wand zu durchbrechen und prüft regelmäßig, ob die unsichtbare Absperrung noch existiert. Aber dann findet sie sich mit dem Zustand totaler Isolation ab und fängt an, ihr Überleben zu organisieren, pflanzt Kartoffeln, geht auf die Jagd, macht Heu, damit die zugelaufene Kuh auch im Winter Milch geben kann. Der Hund, die Katze, die Kuh und ein weißer Rabe sind die einzigen Lebewesen, zu denen die unfreiwillige Einsiedlerin Kontakt aufbaut, während die Jahreszeiten in der rauen Berglandschaft vorbeiziehen.

»Durch die Wand wurde ich gezwungen, ein ganz neues Leben zu beginnen, aber was mich wirklich berührt, ist immer noch das Gleiche wie früher: Geburt, Tod, die Jahreszeiten, Wachstum und Verfall. Die Wand ist so sehr Teil meines Lebens geworden, dass ich oft tagelang nicht an sie denke, sie geht mich in Wahrheit nichts an.«


Vom Roman zum Bühnenstück

2012 hat Dorothee Hartinger „Die Wand“ als Bühnenstück für eine Schauspielerin für das Burgtheater bearbeitet und auf der Feststiege (Landtmann-Seite) uraufgeführt.

Für das Salzburger Landestheater verantwortet
Claus Tröger die Inszenierung – es ist für ihn die erneute Begegnung mit einem seiner 'Lebensbücher': »Vor langer Zeit gelesen, weggelegt, Jahre später wieder hervorgeholt, gelesen... Ein Buch, das mich nie ganz losgelassen hat. So viele Fragen und keine Antworten.« Gemeinsam mit Schauspielerin Britta Bayer nähert sich das Regieteam jetzt dem Text und den möglichen szenischen Umsetzungen.

Claus Tröger schätzt die Zusammenarbeit mit Britta Bayer sehr: »Ich kenne Britta nun schon sehr lange und bewundere jedes Mal aufs Neue ihre Wandlungs­fähigkeit, ihre Präsenz und Leidenschaft auf der Bühne. Ihre wunderbare Sensibilität, von innen nach außen zu spielen, ihre Beflissenheit auf der Suche nach der Wahrheit.«

Für seine Inszenierung möchte Claus Tröger auf plakatives Illustrieren, 'vorgefertigte Postkartenbilder', verzichten und setzt auf die Vorstellungskraft des Publikums: »Die Bilder müssen in den Köpfen von uns Zuschauern entstehen. Die Voraussetzung ist natürlich der sorgsame Umgang mit der Textbearbeitung – nicht 'besser' sein zu wollen, als die Autorin selbst, und doch der Notwendigkeit als Theatertext zu entsprechen. Fokussiertes Erzähltheater in der spannendsten Form.«

Dabei sollen Deutungsmöglichkeiten bewusst offen bleiben: die 'Wand' – die hellsichtige Vision einer atomaren Superwaffe? Symbol der Barrieren zwischen Menschen, oder innerhalb der eigenen Persönlichkeit? Untergangsszenario oder Utopie eines 'einfachen Lebens'? Marlen Haushofers Roman stellt Fragen, die seit seiner Entstehung nichts an Aktualität verloren haben.


Marlen Haushofers 1960 begonnener Roman erschien 1963 und erhielt noch im selben Jahr den Arthur-Schnitzler Preis. „Die Wand“ wurde mit Camus' „Die Pest“ verglichen und als konsumkritisches wie emanzipatorisches Werk gefeiert.

PRESSE

Salzburger Nachrichten:

« Das Salzburger Landestheater jedenfalls greift mit eigenen Akzenten auf die Theaterfassung zu und Regisseur Claus Tröger kann wieder einmal beweisen, dass er gerade für dieses Format dramatischer Erzählkunst ein sicheres Händchen hat. Freilich hat er in Britta Bayer auch eine so klare, geradlinige, unprätentiös genaue wie fein­nervig wandlungsfähige Darstellerin, die ihren Monolog unaufdringlich präzise gliedert und formt. »


DrehPunktKultur:

« Claus Tröger gibt Britta Bayer viel zu tun, wodurch die Fülle differenzierter Emotionen dieser Frau sichtbar wird. Das sind übrigens nicht bloß gespielte, sondern teils auch echte Emotionen. Das Wichtigste ist freilich der Strom des Erzählens. Britta Bayer setzt dafür ein breites Spektrum an Farben ein, um Freude, Verzweiflung, Erschrecken, Tapferkeit, Lebensmut, Triumph und Niederlage ausdrücken. Es gelingt ihr in bewunderns­werter Weise, die Spannung zu halten. (...) Große Zustimmung am Ende und Dank an Britta Bayer, die ihre Chance, einmal in aller Ausführlichkeit ihre darstellerische Kraft zu zeigen, genützt hat. »


Austria Presse Agentur:

« Britta Bayer ist als 'Die Frau' so facettenreich wie ein ganzes Ensemble. (...) Claus Trögers Inszenierung erschafft trotz kleinem Bühnenraum große Landschaften, was auch Britta Bayers tiefgründigem Spiel zu verdanken ist. (...) „Die Wand“ bietet vielerlei Interpretationsmöglichkeiten dieser Gedankenerzählung. Claus Trögers Inszenierung glänzt gerade damit, dass sie dem Salzburger Publikum genügend Platz für die eigenen lässt. »


Dorfzeitung Salzburg

« (...) In Salzburg überzeugt Britta Bayer in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters mit dem geschickt gekürzten Text, einem intensiven Monolog, der unter die Haut geht. Auch wenn man das Buch gelesen und die Filmversion mit Martina Gedeck gesehen hat, kann man an diesem Abend mit Britta Bayer eintauchen in die zutiefst erschreckende, doch gleichzeitig faszinierende Vision der totalen Isolation. Claus Tröger hat den eineinhalbstündigen Monolog mit viel Feingefühl in Szene gesetzt und eine Stimme aus dem Off (Elisabeth Bayer) hinzugefügt. Britta Bayer schafft es, die unterschiedlichsten Emotionen auszudrücken, und macht ihre zunehmende Verzweiflung und ständige Angst vor dem Unvorhersehbaren und der Gewalt der Natur fast greifbar. (...) »
Szenenfoto: Die Wand
Szenenfoto: Die Wand
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