Claus Tröger


Der Besuch der alten Dame | von Friedrich Dürrenmatt


| RITTNER SOMMERSPIELE Bozen (Südtirol/IT) – Saison 2007/08
| Spielort: Freilichttheater im Hof der Kommende Lengmoos
| Premiere: 23. Juli 2008

| Dramaturgie & Bühnenfassung: Christian M. Fuchs, Regie: Claus Tröger
| Bühnenbild: Zita Pichler, Kostüme: Sieglinde Michaeler & Walter Granuzzo
| Bühnenmusik: Arturas Valudskis, Lichtdesign: Jan Gasperi

| Darsteller: Liz Marmsoler, Paul Demetz, Bruno Hosp, Markus Soppelsa, Lothar Dellago,
  Anni Schorn, Paul Mayr, Andreas Opal Robatscher, Norbert Knollseisen, Margit Geier,
  Magdalena Lun, Rainer Reibenbacher, Rene Weger, Armin Maier, Elisabeth Complojer,
  Karin Obkircher, Werner Hohenegger, Markus Wiegele, Gottfried Stabler, Hannes Baldo, uva.


Claire Zachanassian war hochschwanger von ihrem Freund Ill verraten worden. Seine Karriere war ihm wichtiger gewesen als die Liebe. Nach einem Leben, das sie nicht glücklich, aber unermesslich reich gemacht hatte, kehrt sie in ihr Heimatstädtchen mit dem – Misthaufengeruch assoziierenden – Namen „Güllen“ zurück.

Die wichtigsten Geschäfts­zweige der einst florierende Gemeinde hat sie längst nach und nach an sich gebracht und ruiniert. So braucht es wenig Überzeu­gungs­arbeit, um die Gülle­ner zu dressieren. Zuerst hängt der Speck tief, die Gemeinde beginnt sich zu verschulden. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Der Preis des Wohlstandes muss bezahlt werden. Und dieser Preis ist Ills Kopf...

WAS IST EIN MENSCHENLEBEN WERT?

Diese Frage stellt sich Politikern täglich, geht es um so banale Fragen wie Fuß­gän­ger­übergänge, Pflegeplätze oder humanitäre Einsätze in Krisenregionen. Hier geht es um Ethik und Zivilcourage. Die Güllener sind letztlich davon überzeugt, moralisch zu han­deln, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass das ach so schmerzliche Opfer des sündigen Mitbürgers Ill nicht erst im Himmel, sondern gleich hier auf Erden reichlich belohnt wird. Wohlstand gegen Gerech­tigkeit. Gerech­tig­keit? – Die Versuchung, im Män­tel­chen des Moralisten zu morden, ist zu groß...

KLASSIKER ODER THRILLER? –
ODER ETWA BEIDES ZUGLEICH?


Beide Genres haben gemeinsam, dass man sich in der einen oder der anderen Rolle wiedererkennt.
Zu gerne sind wir der alle Schlechtigkeiten der Welt entlarvende Detektiv, aber oft genug gehört unsere Sympathie dem Verbrecher. Beide Seiten, das Gute und das Böse, haben wir in unserer Seele verborgen. Zunächst bedauern wir Claire, dann gehört unsere Solidarität Ill, und schließlich erwarten wir voll Ungeduld, dass man dem Trauerkloß endlich das Maul stopft.

Denn, so Dürrenmatt: « Sie sind nicht böse, durchaus nicht. Zuerst entschlossen, das Angebot abzulehnen, machen sie nur Schulden. Doch nicht im Vorsatz, Ill zu töten, sondern aus Leichtsinn, aus einem Gefühl heraus, es lasse sich alles arrangieren. Irgendwann ist das Verhängnis nicht mehr zu umgehen. »

Oder, ganz kurz: In jedem von uns steckt ein Güllener. Im Theater darf er sich kurzzeitig offenbaren,
in der Betroffenheit – und im Lachen natürlich auch. Immerhin nennt Dürrenmatt dieses Stück eine
„tragische Komödie“

PRESSE

Dolomiten – Südtiroler Tageszeitung (fh, 24.07.2008):

« „Der Besuch der alten Dame“ – Gelungene Premiere in den Kommende von Lengmoos: (...) Ein voller Erfolg war die gestrige Premiere des Dürrenmatt-Stücks „Der Besuch der alten Dame“ im Innenhof der Kommende von Lengmoos. Liz Marmsoler als Multimillionärin Claire Zachanassian und Paul Demetz als deren treulose Jugendliebe glänzten in den Hauptrollen. Die 36. Produktion der Rittner Sommerspiele unter der Regie von Claus Tröger wurde vom Publikum begeistert aufge­nom­men. Das Bühnenbild stammt von Zita Pichler, der es gelungen ist, fünf Schauplätze auf engs­tem Raum unterzubringen. (...) »






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