Claus Tröger


Anna Karenina | von John von Düffel (nach Leo Tolstoi)


| LANDESTHEATER NIEDERBAYERN (Landshut/D) – Saison 2013/14
| Premiere Landshut: 17. Januar 2014
| Premiere Passau: 25. Januar 2014

| Regie: Claus Tröger, Bühne: Karlheinz Beer, Kostüme: Iris Jedamski
| Darsteller: Katharina Elisabeth Kram, Reinhard Peer, Lukas Dorner, Hannes Dorner,
  Tobias Ulrich, Joachim Vollrath, Ines Schmiedt, Olaf Schürmann, Antonia Reidel



Eine Frau lebt ganz für ihre Gefühle, der Gesellschaft und den Konventionen zum Trotz – und scheitert. Anna Karenina lebt in einer harmonischen, aber wenig liebevollen Ehe mit Alexej Karenin in St. Petersburg. Sie hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Dies ändert sich, als sie den jungen Grafen Wronskij kennenlernt. Beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Als Anna ein Kind von ihm erwartet, muss sie ihrem Mann den Betrug gestehen. Der ist bereit ihr zu verzeihen, wenn sie die Beziehung sofort abbricht, was sie zunächst auch tut. Doch nach der Geburt ihrer Tochter kehrt sie zu Wronskij zurück. Die beiden gehen für ein Jahr ins Ausland, dann treibt Anna die Liebe zu ihrem Sohn aus der Ehe mit Karenin nach Russland zurück. Hier muss sie erkennen, dass in der Gesellschaft für Ehebrecherinnen kein Platz ist. Sie und Wronskij ziehen sich auf ein abgelegenes Landgut zurück. Aber ihre Liebe hat keine Zukunft. Getrieben von Verzweiflung und Einsamkeit, glaubt Anna, nur noch einen einzigen Ausweg zu haben...


In seinem 1878 erschienen Roman „Anna Karenina“ zeichnet Leo Tolstoi ein genaues Sittenbild der russischen Gesellschaft seiner Zeit. Dem unglücklich liebenden Paar Anna und Wronskij stellt er eine zweite große Liebe gegenüber: die des Gutsbesitzers Konstantin Lewin und der jungen Kitty Schtscher­batz­kaja, die nach vielen Wirren zueinander finden.

Seine äußerst lebendigen Figuren sind wie für die Bühne gemacht. Schon mehrfach wurde der Roman für das Theater bearbeitet. Doch erst die Fassung von John von Düffel (2012) wird der Vielschichtigkeit und Schönheit von Tolstois Meisterwerk wirklich gerecht.


Fotos: Peter Litvai (Landshut)

PRESSE

Landshut aktuell (Michaela Schabel):

« (...) Tolstois tausend Seiten starker Wälzer besticht in der Inszenierung Claus Trögers nach dem klar strukturierten, auf zwei Stunden gekürzten Bühnentext John von Düffels durch Reduktion und Prägnanz, Ästhetik und Atmosphäre (...) Claus Tröger gelingt eher eine Parabel über die Liebe, wie sie beginnt und was sie zerstört (...) Die ästhetisch symbolische Qualität der Inszenierung ist hervorragend (...) Unter Claus Trögers Regie agieren die Schauspieler: Beherrschung ist das oberste Gebot. Umso intensiver wird in kleinen Gesten, vielsagender Mimik, in der Stimmführung Leidenschaftlichkeit spürbar. (...) Das ist großes Theater, intellektuelle Analyse leidenschaftlicher Verflechtungen und menschlicher Beziehungsmöglichkeiten. »


Landshuter Zeitung (Katrin Filler):

« (...) Vor allem haben die Schauspieler in dieser Inszenierung viel Platz, um ihre Rolle auszufüllen. Und den nutzen sie allesamt wunderbar. Ausgehend von den gesellschaftlichen Normen, zeigen sie vor allem Strenge, etwas in Stepan Oblonskis betrogener Ehefrau Dolly, die Antonia Reidel ausweglos verbittert spielt. In Anna Karenina (stolz und verzweifelt: Katharina Elisabeth Kram), die sich zunächst gegen ihre Liebe zu Graf Wronskij (glatt und selbstgewiss: Tobias Ulrich) wehrt. Vor allem in Annas Mann Alexej Karenin, ein auf Karriere bedachter Staatsbediensteter, den Reinhard Peer in starrer Fixierung auf Haltung in allen Lebenslagen großartig zeigt. Es gelingt ihm, die innere Spaltung zugunsten gesellschaftlicher Normen klarzumachen. Den romantischen Zweifler Lewin gibt sympathisch Joachim Vollrath; und man gönnt ihm die ehrliche Liebe zu Kitty (schön von Enttäuschung zu Frischverliebtsein wechselnd: Ines Schmiedt) sehr. Oblonski zeigt Olaf Schürmann so unaufdringlich unbeholfen und charmant, dass man ihn trotz seiner Untreue mag. (...) »


Süddeutsche Zeitung (Florian Welle):

« (...) Katharina Elisabeth Kram ist eine sehr attraktive Schauspielerin, die Rolle der leidenschaftlich liebenden Anna scheint ihr wie auf den Leib geschrieben – und geschneidert. Kostümbildnerin Iris Jedamski hat für sie herrliche Kleider entworfen. Ja, Kram ist Anna Karenina, vor allem auch in der Verzweiflung. (...) »


UniCater Online – Passauer Uni-Zeitschrift (Julia Langhof):

« Eine Tragödie zum Anfassen: In Passau bringt Claus Tröger die Geschichte der „Anna Karenina“ auf die Bühne

Was für ein Spektakel! Aus dem legendären, 1200 Seiten dicken Roman von Leo Tolstoi kreiert Regisseur Claus Tröger ein Schauspiel, dessen inhaltliche Tiefe und emotionale Resonanz nachhaltig beeindruckt. Pompös und aufwendig eigentlich, aber diese Inszenierung schafft es, gerade den kleinen Gesten von Zärtlichkeit oder Verzweiflung einen großen Raum beizumessen – dank der illustren Besetzung, die von Katharina Elisabeth Kram in der Titelrolle angeführt wird.

Eine sehr ausschweifende Geschichte um Liebe, Beständigkeit und Moral also, dass Autor John Düffel auf zwei Stunden geballte Emotionen verdichten soll. Claus Tröger dazu: „Das geht aber, wenn man in John einen Dramatiker hat, der fokussiert. Er konzentriert die Geschichte nicht allein auf Anna Karenina, sondern auf drei Paare. Es sind Paar-Konflikte, die eine allgemeine Gültigkeit haben und uns auch heute noch betreffen.“

Trotz aller Tragik, die Tolstois Geschichte innehält, haucht Tröger der Inszenierung viel Leben und Humor ein. Die pointierten Dialoge im Gesellschaftsdrama wirken auf den Zuschauer bis ins Mark und bringen so das zaristische Russland wieder ins Gespräch. Mögen einen die 1200 Seiten bisher abgeschreckt haben, vermag diese Inszenierung so manchen dazu veranlassen, Tolstois Roman gerne mal wieder in die Hand zu nehmen. »






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